17. September 2017
Jeder weiß, dass Bahnhöfe zu den wenigen Orten zählen, an denen man einsam sein darf, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Die kleine Sehnsucht des Abschieds am Bahnhof, die ein leichtes Ziehen in einer tieferen Region des Körpers verursacht, geht über in jenes angenehme Gefühl produktiver Einsamkeit, das sich einstellt, sobald man Platz genommen hat und der Zug losfährt. Und die Freude über das Ankommen in einer fremden Stadt ist, auch wenn man abgeholt wird, der einsamen Neugier...
18. August 2017
Ich habe einen Traum. Schon ziemlich lange träume ich von einem Schreibcontainer. Einem Container aus Stahl, so wie sie auf Schiffen durch den Nordostseekanal transportiert werden. Dieser Container steht am Ende eines großen Gartens, den ein Bach begrenzt. Am Bach wachsen Erlen, Weiden und Pappeln. Mein Container hat keine Fenster, nur drei Oberlichter, die je nach Witterung geöffnet werden können. Die Stromversorgung funktioniert über eine Solaranlage mit Batterie. Die Wasserversorgung...
16. Mai 2017
Brille. Augenglas. Sehhilfe. Keine schönen Worte, und Worte, an denen Udo Pini, ehemals Redakteur des FAZ-Magazins, sich Anfang der achtziger Jahre abarbeitete, um einen flotten („magazinigen“ – wie das im Redaktionssprech hieß) Artikel von zehn Manuskriptseiten zu diesem Thema zu verfassen. Es floss der Whisky in der Nacht vor dem Abgabetermin, die Olympia klapperte in dem winzigen möblierten Apartment in der Frankfurter Meisengasse, und heraus kam, na ja, ein eher dröger Beitrag –...
01. Mai 2017
Museum Behnhaus-Drägerhaus, Lübeck Friedrich Overbeck (1789 - 1869) Madonna mit dem schlafenden Jesuskind (1842/53) Neulich erschien in der online-Ausgabe der FAZ ein ganz außergewöhnlicher Artikel. Er hieß „So schärfen Sie Ihre Motorsäge selbst“. Ich war irritiert. War das konservative Intellektuellenblatt zur Heimwerkerzeitschrift mutiert? Wie viele Beamte, Lehrer, Unternehmer, Manager, Banker, Universitätsprofessoren etc., die die Frankfurter Gazette lesen, sind wohl Besitzer...
06. April 2017
Museum Behnhaus-Drägerhaus, Lübeck Adolph Dietrich Kindermann (1823-1892) "Glasermeister Achelius und seine Frau beim Frühstück" (1858) 6. April 2017, 11.30 Uhr Meine Lieblingsmaler sind: 1. Giovanni Bellini 2. Paul Bril 3. Orazio Gentileschi 4. Il Guercino 5. Nicolas Poussin 6. Antonis van Dyck 7. Salomon van Ruysdael 8. Antoni Tápies 9. Barnett Newman 10. Willem de Kooning Die Liste wäre sicher noch erweiterbar, aber dies sind jedenfalls die Konstanten. Dabei fällt mir auf, dass das...
02. März 2017
Nachdem ich vor zweieinhalb Jahren einen Latte Macchiato über mein fast neues MacBook Air geschüttet habe, was einen Totalschaden zur Folge hatte, war ich laptoplos und fühlte mich irgendwie nur eingeschränkt lebensfähig, bis ich jetzt endlich ein neues Macbook kaufen konnte, dank einer parentalen Finanzspritze. Jetzt sitze ich vor diesem Gerät, bewundere sein Äußeres und genieße sein schnelles, komfortables Innenleben. Dabei empfand ich mehr oder weniger genau dasselbe, als ich mir...
05. Februar 2017
5. Februar 2017 Museum Behnhaus-Drägerhaus, Lübeck Gotthard Kuehl: „Das Waisenhaus zu Lübeck“, Öl auf Leinwand, 1894 „Der Mädchenchor sang das Ave Maria leise und demütig. Jede einzelne Sängerin hielt den Kopf auf ihre Weise gesenkt, bewegte die Lippen zärtlich und vorsichtig. Jede einzelne bat um Vergebung für ihre Sünden, die darin bestanden haben mochten, die Priorin des Konvents der Vergini miserabili und ihre Vertrauten zu beneiden. Um die dünnwandigen, zierlich bemalten...
28. November 2016
Johann-Martin von Rohden (1778 - 1868) Landschaft in den Albaner Bergen (Nemi-See) 27. November 2016. Zur Zeit denke ich darüber nach, ob jemand, der sich freiwillig und gespannt wie ein Kunstspringer Kopf voran von einer Klippe in den Tod stürzt, auch fällt. Bisher bin ich zu keinem Ergebnis gekommen. Ich glaube, dass die Kraft, mit der er sich abstößt, die Schwerkraft überholt, und er daher nicht stürzt, sondern eher durch die Luft schnellt, auch wenn das Ergebnis – Aufprall und Tod...
12. November 2016
Neulich, beim Besuch der Venedig-Ausstellung im Bucerius Kunstforum in Hamburg, erzählte mir meine Cousine von einem Buch, das sie jüngst geliehen bekommen hat. Es handelt sich um Alain de Bottons Woche am Flughafen Heathrow, er als Writer in Residence, eingeladen vom Flughafenbetreiber. Ein Schreibtisch am Terminal, ein Hotelzimmer mit verglastem Zugang zum Check-In, Menüschecks. Alles bezahlt, selbstverständlich. Das Ergebnis: Ein kleines Buch mit Beobachtungen rund ums Ankommen und...
09. Februar 2016
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