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Frische Grube in der Fischergrube 2

Seit Mai 2019 verfolge ich die Bauarbeiten auf einer der letzten großen Brachen in der Lübecker Altstadt in Text und Bild.

Den ersten Teil finden Sie unter Frische Grube in der Fischergrube.

Sie können die Bilder per Mausklick auch vergrößern.

Zur Info: Den neuesten Eintrag finden Sie immer oben.

22. Mai 2021

Gestern erreichte mich die Mail von U. Hahn aus Bosau: Er schrieb: „Habe bis 1970 Nr. 64-66 gewohnt (Fischergrube). Die Baustelle war unser Spielplatz mit alten Autos und Pferdewagen. Der Platz war bis zur Beckergrube schwarzer Schotter. Später Parkplatz. Ich bin nebenan in der Großen Kiesau, Hausnummer 33, geboren. Die Häuser 31 und 33 gehörten meinen Großeltern.“

Ich habe Herrn Hahn gefragt, ob er noch Fotos aus dieser Zeit hätte, und heute morgen kamen zu meiner großen Freude tatsächlich zwei Dateien mit der Erlaubnis, sie in meinen Blog einzubauen.

Das erste Foto (© U. Hahn) zeigt im Vordergrund die ehemalige Brache zwischen Becker- und Fischergrube, auf der heute die Wohn- und Geschäftshäuser der B.I.G. stehen. Im Hintergrund die Fischergrube mit dem Haus 64-66, in dem sich die Weinhandlung Carl Herzberg befand.

Das zweite Foto ist ein alter Zeitungsausschnitt (© LÜBECKER NACHRICHTEN) und zeigt den Eisverkauf der Eisdiele Knode im Ellerbrook um ca. 1958. Der Junge rechts vorne im Bild ist Herr Hahn. 

Lieber Herr Hahn, ein großes Dankeschön. Die Bilder und Ihre Informationen sind eine echte Bereicherung. Danke auch an die LN, die mir erlaubt haben, den Zeitungsausschnitt hier zu verwenden.

04. Mai 2021

Hier noch ein schönes Weitwinkelfoto des Neubaus.

24. April 2021

Das Gerüst ist weg, jedenfalls fast, nur die Fenster sind noch mit Plastikfolie zugehängt. Der Klotz ist fertig, zumindest äußerlich. Drinnen wurde tagelang Estrich verlegt, der draußen mit einer Höllenmaschine angefertigt wurde. Da kam Sand rein, Kalk, ein Eimer grünes (!) Wasser, dann normales Wasser, und zum Schluss eine Handvoll weiße, kreidige Substanz aus einem Sack. Ob das der "Kleber" war, wie weiland zu Augustus' Zeiten die Puzzolanererde, die den römischen Beton so unkaputtbar machte? Dann wurde der Deckel geschlossen, das ganze per Knopfdruck durchgemischt und per dickem Schlauch in die einzelnen Etagen gepumpt. Dabei war der Beton-Koch die ganze Zeit dem Dieseldampf der Maschine ausgesetzt. Nicht besonders gesund, nehme ich an.

Na ja, jedenfalls kann ich noch die Turmspitzen von St. Marien sehen und einen Teil des Daches vom Kirchenschiff. St. Petri ist für immer weg, auch der schöne alte Baum vom Spielplatz im Ellerbrook.

Ich habe mich an den Neubau fast schon gewöhnt, aber so richtig versöhnt bin ich mit ihm noch nicht. Ein Klotz bleibt halt ein Klotz, auch wenn ich mittlerweile froh über die hellen Klinker bin, die das Ganze nicht so düster machen.

13. März 2021

Die fleißigen Bauarbeiter, die jeden Morgen aus dem Kleintransporter steigen, der sie vermutlich in irgendeiner Sammelunterkunft abgeholt hat, kümmern sich um den Innenausbau, von dem ich naturgemäß nichts sehen kann. Immerhin haben sie quasi über Nacht die Geländer vor den bodentiefen Fenstern angebracht, so dass ich mal wieder was zu fotografieren hatte.

09. Februar 2021

Seit ein paar Tagen steht dieser grüne Behälter vor dem Neubau. Er versorgt die Handwerker mit Putz für die Innenwände. Manchmal brennt spät abends in einem der Räume noch Licht, und man sieht die Silhouette eines Mannes, der ein langes Brett mit Griff schwingt, um den frisch aufgetragenen Putz glatt zu streichen. (ja, ich weiß, dieses Brett hat bestimmt auch einen Fachbegriff. Wer ihn weiß, darf ihn mir gerne mitteilen :-) Ich liebe diesen Geruch nach Mörtel, Gips, Zement in Rohbauten. Und ich mag auch die ollen orangefarbenen Zementmischer mit ihrer rotierenden, vorne offenen Kugel, die in meiner Kindheit vor neuen Eigenheimen standen und so entsetzlich viel Lärm machten. Drinnen konnte man die cremige Masse aus Sand, Kalk und Wasser beobachten. Wenn etwas beim Ausgießen in den Eimer auf den Boden tropfte, dauerte es nicht lange, bis der Zement hart wurde. Herr Michele hieß der Maurer, der auf diese Weise unsere Garage gebaut hat, anno 1968. Er war Italiener und hatte nichts dagegen, dass ich seine Arbeit neugierig begleitete. Ich durfte auch mal seine Kelle schwingen und spüren, wie sich die feuchte Masse dabei verhielt. Alte Geschichten, aber der Geruch von Zement weckt halt Erinnerungen. Leider darf ich da drüben nicht rein, um mal ein bisschen zu schnuppern.

14. Januar 2021

Heute gibt es aus gegebenem Anlass gleich zwei Einträge.

Der Titel der beiden Bilder logischerweise: Vorher – Nachher.

Den Vorlauf siehe unten ;-)

14. Januar 2021

Es ist so weit: Der Kran wird abgeholt. Dafür kamen zwei Teleskopkräne der Firma Sönke Jordt von riesigen Ausmaßen, deren Aufbau und Abbau länger dauerte, als das Entfernen des eigentlichen Objekts aus der Mitte der etwas übertrieben so benannten „Altstadthöfe II“. Leider habe ich den Transport des Krankorpus dank eines Arzttermins verpasst, aber nachmittags konnte ich dann immerhin verfolgen, wie die Betongewichte, die den Kran ein Dreivierteljahr stabilisiert hatten, über das Dach des neuen Gebäudes auf einen Tieflader gepackt wurden. Nicht sehr spektakulär, gemessen an dem Aufwand, der dafür betrieben werden musste. Am meisten Spaß hat mir die Pizzasause der Crew gemacht (siehe Foto), wobei ich sagen muss – die Jungs sind mutig. Ich hätte mich nicht so einfach unter die tonnenschweren Gewichte gestellt und gemampft ...

17. Dezember 2020

Kleiner Nachtrag ohne Foto: Heute morgen bekam ich eine supernette und lustige Leserzuschrift mit einigen Korrekturen meiner Wahrnehmung, die ich hier gerne weitergebe. Also, die roten "Fliesen", die ich als Terrassenbelag wähnte, sind Dachpfannen, die auf dem Gebäudeteil im Ellerbrook verbaut wurden, dazu auf einer kleinen Schräge direkt gegenüber von mir, die ich aber, wie der Autor anmerkte, "wohl nie zu sehen bekommen werde". Und die Fertigteile mit den Klinkern, die der Verblendmaurer (offensichtlich ein eigener Beruf!) hatte, waren nur die Stürze über den Fenstern und wurden nicht auf die Dämmung geklebt, wie ich vermutete, sondern richtig befestigt. Ist ja auch eigentlich klar. So ein Verblendmaurer macht keine halben Sachen ;-)

Bleibt die Frage, womit die Terrassen ausgelegt werden ...

Jedenfalls habe ich mich über diese Zuschrift sehr gefreut und vor allem hab ich was gelernt.

An dieser Stelle möchte ich meinen Leser:innen schon einmal frohe Festtage wünschen und einen gesunden Start ins Neue Jahr! Dieser Blog ruht jetzt ein oder zwei Wochen. In 2021 gibt es wieder was zu lesen!

P.S.: Gestern abend fragten wir (mein Mann und ich) uns, was wohl aus der Laterne vor dem neuen Haus geworden ist. Wenn man die Bilder seit Baubeginn als Diashow ablaufen lässt, kann man erkennen, dass die Laterne zunächst noch stand, dann wurde irgendwann der Kopf abgetrennt, und eine Weile später verschwand auch der Mast, entweder, weil man ihn in Sicherheit gebracht hatte oder weil er hinter dem ganzen Baustellengerät verborgen war. Seit der Aufräumaktion gestern jedenfalls steht er wieder, wenn auch (noch) ohne Laternenhaube. Die Aussicht, in diesem Teil der ohnehin sehr dunklen Straße bald wieder etwas mehr Licht zu haben, ist erfreulich.


16. Dezember 2020

Wow, die Fenster sind drin, und vor dem Haus (so kann man es ja jetzt wohl schon nennen) wurde aufgeräumt. Die Mulden mit dem Abfall sind weg, nur noch eine ist übrig und ziemlich leer, ebenso sind die Vorräte an Klinkern, Dämmwolle, Kalkstein etc. verschwunden. Nur ein paar rote Terrassenfliesen sind noch da. Anscheinend muss kein Beton mehr gegossen, keine Wand mehr gemauert werden. Alles sieht sauber und adrett aus. Was ich mich frage: Standen die WC- und Aufenthaltscontainer immer schon da vorne? Ein Blick auf die anderen Fotos zeigt: nein! Da hat der Kranführer, den ich übrigens sehr vermissen werde, die Container anscheinend aus dem Innenhof auf die Straße gehievt, als ich gerade mal weggeschaut habe. Gemein. Das hätte ich zu gern gesehen. Da die Fenster der oberen Stockwerke dunkel sind, gehe ich davon aus, dass darüber bereits eine Decke ist. Von einem Dach kann man ja bei so einem Gebäude nicht wirklich reden.

Was ich irritierend finde, ist der Abschluss des Hauses links, wo es an die Brandmauer des 60er-Jahre-Gebäudes stößt. Das soll wohl eine Terrasse sein, aber durch den bröckelnden Schornstein am Giebel des Nachbarhauses und die fragmentierte Ansicht der Marienkirche dahinter ergibt sich kein Bild, das mein Auge erfreut. Es wirkt seltsam unfertig, und die Fassade des Neubaus hat dadurch keine Balance. Die Seite am Ellerbrook wirkt da wesentlich einheitlicher, nicht so gestoppelt. Aber vielleicht tut sich in dieser linken Ecke ja noch irgendwas.

5. Dezember 2020

Mal wieder eine Aufnahme mit dem Ultraweitwinkel meines Mannes. Da kommt die Kamera meines ollen iPhone 5 nicht mit ... Jetzt ist die Fassade auf meiner Seite voll verklinkert. Die ersten Fenster wurden auch schon geliefert, aber anscheinend nicht für hier vorne. Für die Terrassen kamen stapelweise dunkelrote Fliesen und wurden wohl zum Teil auch schon verlegt. Jedenfalls sind die großen Fliesenpakete auf der Straße arg geschrumpft. Durch den Weitwinkel wirkt das Haus viel zierlicher, als es tatsächlich ist. Wenn ich aus dem Fenster schaue, ist da einfach nur ein großer Kasten, der mich mit seinen unverglasten Fenstern an die Columbarien aus der Mussolinizeit auf dem Campo Verano, dem größten römischen Friedhof, erinnert. Das sind auch richtige "Mehrfamilienhäuser", von außen gespenstisch hohl wirkend, im Inneren gestopft voll mit Urnen in Wänden oder Schubladengräbern. Überhaupt denkt man in dieser Coronazeit viel zu oft an den Tod. An den eigenen und an den von Menschen, die einem nahestehen, aber ich denke auch an all die vielen Unbekannten, die jetzt weggesenst werden. Und der Winter ist noch lang ...

18. November 2020

Das sollen wohl die Dachterrassenwohnungen werden. Das Glockenspiel und die Glocken von St. Marien klingen mittlerweile etwas anders, wenn ich das Fenster öffne, um das Geläute zu hören. Wenn das Haus fertig ist, wirkt es dann vermutlich noch mehr wie ein Dämpfer. Bei Windstille konnte ich sonntags und an Feiertagen auch den Dom hören. Das ist nun auch vorbei. Aber eigentlich hat die Welt gerade andere Probleme, glaube ich ;-)

9. November 2020

Jetzt kriegt man das neue Gebäude nur noch mit dem Ultraweitwinkel ganz aufs Bild. Dadurch wirkt es viel leichter und kleiner und weiter weg, als es in Wirklichkeit ist.

29. Oktober 2020

Jetzt mauern sie mich langsam zu. Das einzig Amüsante an diesem Anblick ist die schwarze Holztür in der Mitte, die derzeit noch ins Nichts führt. Mein Bedürfnis umzuziehen, wächst ...

21. Oktober 2020

So sah das aus, als ich heute nach Hause kam.

Ich krieg die Krise !!!

17. Oktober 2020

Das Licht funktioniert schon mal, zumindest im Treppenhaus. Ist ja auch nötig, denn die Tage sind schon empfindlich kürzer geworden. Was das ganz oben werden soll, erschließt sich mir noch nicht. Daher für heute nur: Fortsetzung folgt ...

02. Oktober 2020

Das Einzige, was man auf dem neuen Bild erkennen kann, ist, dass jetzt auch die oberste Zwischendecke betoniert wurde, denn die Fenster im 3. OG sind dunkel. Demnächst beginnen dann wohl die Arbeiten für das Penthouse-Geschoss, das laut Plan etwas gegliedert sein wird. Gestern wurden mal wieder Treppen geliefert. Sonst gibt es leider derzeit nichts zu berichten, denn "wie's da drinnen aussieht, geht uns nichts an".

P.S.: Laut B.I.G. hat jede Erdgeschosswohnung einen eigenen Eingang. Da hat das Planungsbüro wohl coronatechnisch vorausgedacht. Bloß niemandem im Hausflur begegnen! Dürfen dann die anderen Mieter oder Eigentümer den Aufzug nur einzeln benutzen oder nur mit Personen, die im selben Haushalt mit ihm/ihr wohnen? Und wer desinfiziert die Aufzugknöpfe? Oder kann man den Aufzug per Sprache steuern wie Google? "Hey, Aufzug, warte im EG. Hey, Aufzug, zweiter Stock bitte ..." Eine Bekannte von mir sucht sich jetzt ein Hausboot. Und alle anderen kaufen sich gerade Wohnmobile XXL ...

20.09.2020

Ich denke immer, es tut sich so wenig am Bau, aber wenn ich dann die letzten beiden Bilder vergleiche, sehe ich, in welch flottem Tempo aus dem Rohbau ein richtiges Haus wird. Flinker klinkern ist die Devise. Leider kann ich den Baufortschritt am Ellerbrook von hier aus nicht mehr begutachten. Und das nächste Geschoss ist schon anvisiert. Dann ade, meine schönen Türme und mein schöner Baum. Wenn es nicht so lächerlich und sinnlos wäre, würde ich gern ein paar Luftballons mit Farbe füllen und mal schauen, ob meine Wurftechnik reicht, um die sterilen Wände drüben stilvoll zu verzieren ...

09.09.2020

Nachtrag zum Verklinkern: Die machen es sich auch hier mit Fertigelementen einfach: etwa anderthalb Meter breite und drei Ziegel hohe, vorgefertigte Teile in adretter Maureroptik, die auf die Dämmwatte geklebt werden. So erklärt sich auch das rasende Tempo, mit dem die Fassade aufgehübscht wird.

04. September 2020

Jetzt bin ich mit den Bauarbeitern auf Augenhöhe (und später mit den neuen Mietern oder Eigentümern ...) Im rechten unteren Teil des Fotos kann man sehen, wie zuerst die Dämmwatte aufgebracht und dann verklinkert wird. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Arbeiter nach dem Sommer nochmal einen Zahn zugelegt haben. Oft wird auch Samstags gearbeitet. Offenbar soll das Haus dieses Jahr noch fertig werden. Wenn ich Glück habe und nicht noch ein fünftes Geschoss, sozusagen als Dachboden, draufkommt, werde ich Marien- und Petrikirche auch zukünftig noch sehen können.

31. August 2020

So, das vierte Stockwerk wächst, und von unten arbeiten sich die Verklinkerer bereits nach oben. Die Steinsäge kreischt den ganzen Tag. Seltsam finde ich, dass der linke Teil des Gebäudes aus Fertigteilen errichtet wird, während der rechte aus den weißen Silka-Kunststeinen gemauert wird. Links die Billigwohnungen, rechts die teuren? Keine Ahnung. „Schon irre, wie man jetzt so gegen diese Wand guckt“, sagte mein Mann gerade. Vor einem Jahr war hier noch eine Grube. Wenn auf den vierten Stock nicht noch was drauf kommt, kann ich immerhin auch weiterhin die Türme sehen. Das wäre doch mal was ...

19. August 2020

So langsam kenne ich die Vorgänge ja schon: Gestern kamen die Fertigteile für die Zwischendecken und wurden gleich eingepasst. Heute morgen kam wieder der lange Transporter mit den Balkonteilen, die mittels Teleskopkran wie neulich beschrieben hochgehievt, dann vom KranKran übernommen und dann sofort verbaut wurden. In den Sommerferien war übrigens mein Lieblingskranführer - der mit der Latzhose und den sparsamen Fingerzeichen - im Urlaub. Seit einer Woche ist er wieder da und, siehe da, er trägt keinen Bart mehr. Vielleicht ein modisches Hoffnungszeichen in einer Zeit, in denen Männer sich männlicher fühlen, wenn sie sich das Gesicht zuwachsen lassen ;-)

16. August 2020

Viel Veränderung kann man von außen zur Zeit nicht erkennen. Der Hauptteil der Arbeiten findet gerade im Inneren statt. Neu ist das erhöhte Gerüste am Hausteil im Ellerbrook. Der Fahrstuhlschacht im Hauptgebäude wurde jetzt auf das Niveau der anderen Wände aufgestockt. Lustig ist, zu sehen, wie der Kran immer weiter im Neubau verschwindet. Demnächst wird dann wohl der vierte Stock draufgesetzt. Die gelben Eisenbalken für die Zwischendecken sind schon gespannt worden. Trotz der Hitze arbeitet der Bautrupp unverdrossen von sieben bis sechzehn Uhr, auch samstags.

02. August 2020

In den vergangenen drei Wochen wurde das dritte Stockwerk hochgezogen, allerdings nur an der Seite zur Fischergrube. Das Nebengebäude bekommt auch noch ein drittes, vermutlich aber kein viertes Stockwerk, während das Baugerüst für das Hauptgebäude schon um die nächste Etage erhöht wurde.

Mittlerweile kann man tatsächlich von "Altstadthöfe II" reden, denn der Innenhof ist jetzt ein solcher, mit allen Nachteilen für die bereits dort Wohnenden. Und vor den Ferien konnte ich die kleine Bude mit ihrem neu gestalteten Balkon gegenüber noch sehen, jetzt kann ich gerade noch die oberste Spitze des Giebels sehen. Am meisten werde ich die großen alten Bäume im Hintergrund vermissen. In der Fischergrube selbst gibt es ja fast kein Grün, nur einen kümmernden Haselbaum in einem Betonkübel und ein paar schöne alte Rosen an den Fassaden auf meiner Seite.

10.07.2020

Heute morgen kam der Betonmischer, aber die Fertigteile für die Zwischendecken sind ja noch gar nicht verlegt worden. Was also gegossen werden soll, kann ich gerade nicht erkennen. Hinten rechts ragt ein Turm verpackter Dämmwolle auf. Die wird vermutlich zwischen Neubau und kleine Butze geklemmt. In dieses Minihaus sind letztes Jahr neue Eigentümer eingezogen und haben sofort die etwas vergammelte Terrasse hergerichtet. Mit Blumen und so. Sobald der zweite Stock auf meinem Kasten steht, kriegt diese Terrasse auch kein Licht mehr. Ob die neuen Besitzer wussten, was da neben ihnen wachsen soll?

02. Juli 2020

Für Kaufinteressenten hier schon mal die Raumaufteilung im vorderen Teil des Neubaus. Für Brand- und Schallschutz zum Nachbarhaus wurde auch bereits gesorgt. Dicke Matten aus Dämm-Material dienen als Brandmauer. Zwischen Haupthaus und Nebenhaus wurde ein durchgängige Mauer gezogen. Wie die Wohnungen im hinteren Teil aussehen werden, ist noch nicht zu erkennen. Das Gerüst wurde aufgestockt, und demnächst beginnen dann wohl die Arbeiten zum zweiten Stock.

28.06.2020

"Dieses Bild unterscheidet sich von dem vorherigen durch 10 signifikante Details. Finden Sie heraus, welche das sind ..."  ;-)

25. Juni 2020

Die Maurer waren fleißig, wie man im Vordergrund rechts sieht. Im hinteren Teil des Gebäudes wurde heute die Zwischendecke gegossen. Im Internet (mal "Altstadthöfe II Lübeck eingeben") habe ich mir angeschaut, wie der Kasten fertig aussehen soll. Ich hätte es lassen sollen. Es wird tatsächlich ein ungegliederter Klotz, so spießig als möglich verkleidet mit beigen Klinkern. Man hätte ja wenigstens die Ecke an der Straßenkreuzung abschrägen können, um dem Ganzen einen urbanen Touch zu geben.

Ich glaube, wenn das Ding fertig ist, ziehe ich um ...

19. Juni 2020

Heute wurden die ersten Balkone geliefert. Dazu kam wieder der Teleskopkran, der die Bauteile aber auf Anweisung des Kran-Kranführers, der die Operation mit kurzen Befehlen und oft nur mit dem Kreisen seines Zeigefingers souverän dirigierte, nur an einer bestimmten Stelle des Rohbaus absetzen durfte. Danach übernahm der Kran-Kranführer die Platte mit dem Hauptkran und bugsierte sie dahin, wo aus dem Gebäude dicke Holzbalken ragten. Die jeweilige Platte, die in ihrem Inneren ein Stahlskelett enthält, das an einer Seite tausendfüßlerähnlich herausragt, damit der Balkon beim Guss der Zwischendecke mit dieser verbunden werden kann, wurde auf die Holzbalken gelegt. Die Balken werden dann wohl nach dem Guss entfernt. Es gab drei Balkonplatten, und da das Ganze von den beiden Kranführern reibungslos abgewickelt wurde, schwebten Platte eins und Platte 2 gleichzeitig in der Luft (Foto 4).

Zwischenzeitlich hatten die anderen Bauarbeiter die Fertigteile für die Zwischendecke auf dem Seitenflügel eingepasst. Millimeterarbeit. Das letzte Teil klemmte und musste bearbeitet werden, ehe es endlich in Position rutschte.

Das ist wohl so ziemlich das Letzte, was ich vom Seitenflügel sehen werde, denn sobald die restlichen Teile für die Zwischenwände sitzen, kann ich da hinten nichts mehr fotografieren. Allerdings gehe ich davon aus, dass die weiteren Stockwerke genau so gebaut werden wie die ersten, daher ist mein Frust nicht allzu groß.

16. Juni 2020

Irgendwie erinnern mich die Fertigteile, die zur Wand werden, an meine Kindheitsversuche, mit dünnen grauen Legoplatten, die in die Zwischenräume der Nupsis meiner grünen Grundplatten geklemmt werden konnten, Häuser schneller zu bauen als mit den roten Steinen, von denen immer die entscheidenden fehlten. Aber das habe ich bald wieder aufgegeben. Ich hatte auch Glasbausteine (das war in den Sechzigern schick), aber die saßen nie so fest wie die roten und gingen ständig verloren. Ich baute mit Vorliebe Winkelbungalows mit Walmdach (oder hab ich das schonmal geschrieben?) Jedenfalls auch dies ein Sechzigerjahrethema ... Warum ich es nicht mal mit Bauhaus-Optik versucht habe? Ansichtsexemplare gab es in meiner Umgebung genügend, gelungen oder eher weniger. Aber Kinder im Strichzeichnungsalter zeichnen ja auch selten Wohnblöcke, auch wenn sie in einem wohnen, sondern grundsätzlich Häuser mit Dach und Schornstein, dazu Baum und Zaun und manchmal einen Hund. Die Sonne darf natürlich auch nicht fehlen. In Lübeck lernen sie dann relativ schnell, Treppengiebel zu malen und spitze Kirchtürme, einzeln oder doppelt. Was zeichnen Kinder in New York oder Singapur? Oder in Burundi oder auf Bali? Irgendwo gibt es bestimmt Forscher, die sich darum kümmern, was Kinder auf der ganzen Welt in einem bestimmten Alter zeichnen. Würde mich interessieren.

13. Juni 2020

Wieder mal ein Wimmelbild. Immerhin ist zu erkennen, dass hinten im schmaleren Teil des Neubaus jetzt die erste Zwischendecke eingezogen wird. Die gelben Trägerbalken wurden eingepasst. Jetzt sieht man, dass es auch hier einen Fahrstuhl geben wird. Was gab's noch? Massenweise neue Silkablöcke wurden geliefert. Auf der Baustelle wird auch samstags gearbeitet, allerdings nicht in voller Besetzung. Balkone wird es wohl nur zum Innenhof geben, jedenfalls sind da zwei Prototypen zu entdecken, gesichert durch eine Brüstung aus Holzplanken. Sonne kommt da jedenfalls später nicht hin, höchstens im obersten Stockwerk.

09. Juni 2020

Gestern wurden wieder einmal zwei Treppen als Fertigteile angeliefert und von einem Teleskopkran in Position gebracht (neben dem Fahrstuhlschacht). Schließlich geht es jetzt rasant in den zweiten Stock. Auch im hinteren Teil wird fleißig gemauert. Der weiße Stein heißt Silka und ist bei näherer Betrachtung wohl eine Pressung aus Kalk, Sand und bunten Einsprengseln gröberer Steine wie Ziegelresten etc. Dazu irgendwas, das klebt. Die Römer haben dafür Puzzolanererde verwendet, eine vulkanische Substanz, die den römischen Beton nicht nur zusammenhielt, sondern auch unter Wasser aushärten ließ. Damit konnte von der gesamten Hafenanlage bis zum Fischbecken für die Lieblingsmuränen alles gebaut werden. Der weiße Kunststein Silka wirkt ziemlich weich, und die Ecken bröseln schnell. Um die angelieferten Sets zu transportieren, gibt es einen orangefarbenen Korb, der an den Kran gehängt wird. Der Metallkorb hat genau die Maße eines Silka-Sets, wie sie unten vor der Baustelle stehen. Wenn der Kranführer den Korb über einem Set positioniert hat, senkt er ihn, bis der weiße Block ganz umschlossen ist. Dann wird per Hand ein Metallgitter gelöst, das in die Ritze zwischen den Sets rutscht, und zwei Backen pressen sich an den kurzen Seiten gegen den Block. Mehr braucht es nicht, um so ein Silka-Set sicher hochzuheben und dorthin zu bugsieren, wo die Maurer die Steine brauchen.

07. Juni 2020

Ups, und schon ist die erste Seite meines Blogs Frische Grube in der Fischergrube voll, und ich musste eine neue Seite eröffnen.

Das Gerüst wächst. Bisher fand ich das, was vor meinem Eulennest passierte, ja sehr spannend und lehrreich, aber mittlerweile kriege ich doch ein mulmiges Gefühl, denn der Klotz, der da entsteht, ist kein Spaß mehr, sondern eben ein Klotz. Der vertraute Blick auf die kleinen Häuschen mit den Sgraffiti, auf die schönen großen Bäume am Spielplatz, auf das kleine Bethaus, auf die Kirchtürme von St. Marien und St. Petri, ist bald Vergangenheit. Und es wird dunkler werden in meiner Bude. Demnächst gähnen schwarze Fensterlöcher gegenüber, und wenn dann schließlich die ersten Bewohner einziehen, glotzt man gegen bunte Vorhänge, weiße Gardinen, gelbe Rollos oder HSV-Banner. Bei denen, die sich nicht abschotten, kann ich dann andererseits kostenlos fernsehen, denn wenn ich danach gehe, was in den einsehbaren Fenstern in größerer Entfernung bisher abends passiert, sind die Bildschirme dafür groß genug und die Programmauswahl vielfältig ...