Autobiografisches

Autobiografisches · 07. Juni 2018
Meine ersten Schuhe waren, wie die unzähliger kleiner Mädchen in den sechziger Jahren, aus Leder, rot, niedlich rund vorn, knöchelhoch und zum Schnüren, Marke Elephanten. Ich kenne sie nur von Fotos. Manche Eltern heben die ersten festen Schuhe ihrer Kinder auf. Meine nicht, was ich ihnen nicht übelnehme, da ich es an ihrer Stelle vermutlich ähnlich gehalten hätte. Zu den roten Schuhen auf dem Foto trage ich ein grün-weißes Dirndl, Geschenk meiner in alles bayerische verliebten...
Autobiografisches · 17. September 2017
Jeder weiß, dass Bahnhöfe zu den wenigen Orten zählen, an denen man einsam sein darf, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Die kleine Sehnsucht des Abschieds am Bahnhof, die ein leichtes Ziehen in einer tieferen Region des Körpers verursacht, geht über in jenes angenehme Gefühl produktiver Einsamkeit, das sich einstellt, sobald man Platz genommen hat und der Zug losfährt. Und die Freude über das Ankommen in einer fremden Stadt ist, auch wenn man abgeholt wird, der einsamen Neugier...

Autobiografisches · 18. August 2017
Ich habe einen Traum. Schon ziemlich lange träume ich von einem Schreibcontainer. Einem Container aus Stahl, so wie sie auf Schiffen durch den Nordostseekanal transportiert werden. Dieser Container steht am Ende eines großen Gartens, den ein Bach begrenzt. Am Bach wachsen Erlen, Weiden und Pappeln. Mein Container hat keine Fenster, nur drei Oberlichter, die je nach Witterung geöffnet werden können. Die Stromversorgung funktioniert über eine Solaranlage mit Batterie. Die Wasserversorgung...
Autobiografisches · 16. Mai 2017
Brille. Augenglas. Sehhilfe. Keine schönen Worte, und Worte, an denen Udo Pini, ehemals Redakteur des FAZ-Magazins, sich Anfang der achtziger Jahre abarbeitete, um einen flotten („magazinigen“ – wie das im Redaktionssprech hieß) Artikel von zehn Manuskriptseiten zu diesem Thema zu verfassen. Es floss der Whisky in der Nacht vor dem Abgabetermin, die Olympia klapperte in dem winzigen möblierten Apartment in der Frankfurter Meisengasse, und heraus kam, na ja, ein eher dröger Beitrag –...

Autobiografisches · 02. März 2017
Nachdem ich vor zweieinhalb Jahren einen Latte Macchiato über mein fast neues MacBook Air geschüttet habe, was einen Totalschaden zur Folge hatte, war ich laptoplos und fühlte mich irgendwie nur eingeschränkt lebensfähig, bis ich jetzt endlich ein neues Macbook kaufen konnte, dank einer parentalen Finanzspritze. Jetzt sitze ich vor diesem Gerät, bewundere sein Äußeres und genieße sein schnelles, komfortables Innenleben. Dabei empfand ich mehr oder weniger genau dasselbe, als ich mir...
Autobiografisches · 25. Dezember 2015
Langsam komme ich in das Alter, in dem man anfängt, zurückzublicken. Ich bin dazu erzogen worden, mich nicht für mich selbst zu interessieren, jedenfalls nicht allzusehr, aber so ganz kann ich das jetzt, jenseits der fünfzig, nicht mehr verhindern. Wie das so ist, wenn man gelernt hat, sich nicht wichtig zu nehmen, interessiert man sich ersatzhalber für jemand anderen. Ich interessiere mich zum Beispiel für Menschen, die bis zu ihrem Start ins „richtige Leben“, sprich, bis zu ihrem...